Archiv der Kategorie A. Poesie

mein garten im ersten frost

karg
ist es geworden

auf
den beeten

in
meinem lustgärtchen.

niemand
zeigt mehr blatt.

gräulich
das grün und

welk
die letzten farben

der
Astern.

 

ich
habe euch alle

rechtzeitig
zu bett gebracht.

die
kälte beißt um sich

aber
sie kann euch nichts

mehr
tun.

 

ihr
habt alle träume

zu
euren wurzeln genommen.

haltet
sie warm

und
laßt sie erst heraus

wenn
ihr sicher seid,

daß
der weiße tau sie nicht fressen kann

in
den eisigen morgenstunden.

 

ich
wache

in
der kalten sonne

über
eure ruhe,

trotze
den stürmen

und
erzähle den meisen

vom
letzen sommer.

 

wir
warten.

 

Frühe Winternacht


Eine Straßenlaterne

wirft orangefarbenes Licht

auf den verschneiten Hang

hinter meiner Fensterscheibe.

 

Zwischen den Kinderschlittenspuren

laufen Perlenschnüre kleiner Fußabdrücke

Hang aufwärts.

 

Meine Sommerabendbank

steht schwarz im Schnee,

dort,

wo das Licht nicht mehr hinreicht.

l’aprèsmidi d’un faun


In der Sonntagsmittagshitze

vor meinem Hügel

entrollen sich die abgemähten

Weizenfelder bis zum Horizont.

Ich zähle eine Hand voll Dörfer

in meinem Sommerbild:

graue Steinhaufen, eingebettet in ein Netz

von Eichen-Hecken, schmalen Straßenbändern

und laubgrünen Senken.

 

Und nichts bewegt sich.

Nur über die Maisfelder geht von Zeit zu Zeit

der sanfte Sonnenwind hinweg.

Die Zeit steht.

 

Still sitze ich am Wiesenrand,

starre in die helle, heiße Welt,

die dort den Tag erträumt

unter der weißen Bläue.

 

Und lausche:

im Farn ein Rascheln,

die Ginsterschoten knacken

platzend in der Hitze.

Ich schaue hin:

Da sitzt er,

halb verdeckt von Gräserrispen.

Er schaut zu mir herüber

und setzt die Flöte an.

sommerversprechen

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irgendwo liegen

auf dem rücken

sorglos.

unter dem blau

zwischen schierlingskraut

und glockenblumen.

in friedlicher koexistenz

mit ameisen und

goldglänzenden mistkäfern.

versteckt.

 

irgendwas träumen:

auf dem hund

reitet ein kind.

jetzt fliegt es davon.

und der hund

mutiert

zum drachengeheuer.

aug in auge

mit seinem feuerschlund,

gelassen

zusehen können,

wie er vergeht

im blau.

 

Liebeslied im Juni

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Soll ich das Lied

singen,

das aus deinem Herzen kommt,

Liebster?

Soll ich dir singen

vom Sommerrausch

zwischen den tiefgrünen

Hecken, die mit

leuchtenden Blütenperlen

übersät sind,

von umwucherten

Rosenbänken,

vom sanftbunten, endlosen

Gleiten und Landen

der Schmetterlinge

auf den üppigen

Nektartränken duftender

Blütendolden?

Soll ich deinen Jubel

über unseren Liebesgarten

auf den blauen Abendhimmel

über uns schreiben

mit Kondensstreifen

aus Millionen weißer Blütenblätter?

Soll ich den weichen, hellen

Wind einfangen

und damit die Nachtluft

fort blasen,

bis die Sonne wieder

über unserem Garten den

Tag ausruft?

 

Wenn die Farben verblassen,

ist es auch in unserem Garten

grau.

Und höchstens der Mond

bescheint die geheimnisvolle

Bank, auf der wir uns noch lange Zeit

in den Armen halten und wärmen.

Aber ein leises, entzücktes Summen,

dein Jubel, liegt noch immer

über der Stille der Nacht.

Und singt auch in mir.

 

Vorfrühling im Moor

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weiter Blick über die Moorlandschaft im Emsland

Dies ist das Moor im ersten Frühlingslicht:

Ein herber Landstrich, der sich freundlich zeigt

und nichts verlangt

als Schauen, Schauen, Schauen

 


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 Horizont

Ich liebe diese weiten, kargen Horizonte,

das helle Licht, das eine stille Welt bescheint,

die sanften Linien der Ebene wie lange, flache Wogen

auf einem spröden Binsenmeer.

Das nackte Frühlingslicht liegt ausgeschüttet da

und füllt die kühle Luft mit Wärmepolstern auf.

Die Lerche rüttelt über mir.

Ihr Lied klingt so vertraut, so sehr entbehrt.

Dahinter dehnt sich immer weiter noch

ein blasses Grün und Ockerbraun,

ein großes Feld, und Wiesen bis ans Ende,

wo sich ein dunkler Streifen dämmergrüner Wald

erstreckt

und Himmelsblau und Erde

von einander trennt.

 

Dies ist das Moor im ersten Frühlingslicht:

Ein herber Landstrich, der sich freundlich zeigt

und nichts verlangt

als Schauen, Schauen, Schauen.

 

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so weit das Auge reicht

Das Land liegt offen da, so wie die

Innenfläche einer breiten, festen Hand.

Und wie die Linien, die das Geheimnis eines Lebens

hüten, ziehn schwarze Gräben durch das

blasse Wintergrün der Felder und enden irgendwo.

Als hätte jemand diese ausgestreckte Welt

mit einem dicken Kohlestift markiert.

Nur hier und da entzündet sich das Sonnenlicht

am rostigroten Band der Böschungen.

Der Himmel schimmert blau und tief zugleich.

Er fällt wie Sonnenregen ins Geäst der kahlen Birken.

Die Wasserflächen spiegeln ohne Ende

 

die wolkenlose Weite auf die karge Erde.

 

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Moorgraben

Dies ist das Moor im ersten Frühlingslicht:

Ein herber Landstrich, der sich freundlich zeigt

und nichts verlangt

als Schauen, Schauen, Schauen.

 

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Wasserstelle im Moor


Dies Land ist Wasserland.

Im nahen Moorwald glänzen schwarze Tümpel.

Im Moos, verborgen zwischen Polsterkissen,

stehn heimlich stille, kalte Wasserlöcher.

Die Felder schimmern nass.

Wo immer auch

ein Fuß den Boden nur berührt, -

quillt Feuchtigkeit aus weichem Torf.

 

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Es nistet ein Geheimnis in den Wassergräben,

ist immer gegenwärtig, überall zu spüren.

Es legt sich auf die Haut und auf die Lippen.

Es schmeckt nach Wind und nasser, fetter Erde.

Das Leben ist es selbst, das hier in allen Ritzen nistet

und alle morschen Zäune, alle Wetterstämme,

mit seinem feuchten Hauch berührt und sie

danach mit dunkelgrünem Samt bespannt.

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Waldteiche

Dies ist das Moor im ersten Frühlingslicht:

Ein herber Landstrich, der sich freundlich zeigt

und nichts verlangt

als Schauen, Schauen, Schauen.

 

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einsamer Hof

Vereinzelt stehen reiche Höfe hinter alten Bäumen

als wollten sie sich unbefugtem Blick entziehen.

Doch wenn du näher kommst,

begrüßt der Hofhund dich wie einen alten Freund.

Dort hinten vor dem weiten Wiesenland

seh ich drei Erlen plaudernd beieinander stehen,

barhäuptig noch im Lichte, das die Weite feiert,

und das die Nebelschwaden aus den Niederungen treibt,

wo große Vögel aus den Wiesensenken

in einem glitzernd bunten Funkenregen

aufsteigen und zum nächsten Wasser ziehen.

 

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Moorlandschaft

Dies ist das Moor.

Ein herber Landstrich, der sich freundlich zeigt

und nichts verlangt

als Schauen, Schauen, Schauen

 

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 Moordorf


Ankunft im Moor

Wir aber haben Zeit.

Im Hochmoor zählen die die Jahrtausende.

Zwischen rostrot gesäumten Wassergräben

und blassgrünen Wiesengründen

bis zum Horizont,

wird sich der Frühling entfalten

und über den Wassergräben

die Luft anfüllen mit flimmerndem

Licht.Später.

Noch hält der Frost die Luft an.

Hohe Binsenrispen vom Vorjahr

glitzern wie blühendes Eis.

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Binse im Moorsee

Kahle Erlen stehen mit geschlossenen Augen

in der Morgenhelle.

Die Stille wartet auf die ersten Lerchen.

Und voller Verheißung legt das warme Sonnenlicht

seine Hände auf unsere Wintergesichter.

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Weg durchs Moor

Reise dem Frühling entgegen

Wir reisen durch eisweiss bereifte Wälder

dem östlichen Winter davon.

Die Sonne steht flach am Horizont.

Nur der Himmel flüstert vom Frühling.

Wenn sie im Westen untergeht,

werden auch wir am Ziel sein.

Allmählich beginnt der Nebel zu steigen.

Das befreite Licht

zaubert Kirschblütenträume an unseren Weg.

Frühlingsbäume säumen für eine Weile

die verschneiten Felder entlang der Straße.

Stunden später durchbricht auf den Äckern

schwarzbraune Erde die Decke aus Schnee.

Das Land kämpft sich ans Licht.

Nur in den Schattensenken

bleiben weiße Flecken zurück.

Zwischen roten Kieferstämmen leuchtet

voller Verheißung ein sonnentrunkner Wald.

Menschen stehen in ihren kahlen Gärten

und plaudern in der Mittagswärme,

sorglos auf ihren Spaten gestützt.

In diesem Garten prahlt längst der Frühling

mit seiner prallen Gegenwart:

zwei Hände voll, dahin geschüttet

vor die hellen Mauer,

wie kleine lila Sonnensegel aufgebläht.

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Frühlingsboten

Dort, wo die Reise enden soll,

wird all das noch ersehnt.

Das Moor liegt still dem Himmel gegenüber.

Und wartet.

an die, die nach uns kommen

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I

Ja sicher, uns geht es gut.

Sogar unsere Armen sind meistens satt.

Die auf der anderen Seite stehen,

sehen uns mit Neid und mit Hass.

Man sagt euch, ihr müsst verteidigen,

was euer ist. Und warum?

Ich kann die Tür nicht verschließen vor denen,

die Einlass begehren.

Ich kann nicht sagen: Dies gehört uns.

Es gehört den Menschen.

 

Ich kann auch nicht sagen:

unsere Götter sind die besseren,

unsere Sitten sind die richtigen,

unsere Gedanken sind wahrer als ihre.

Rom bleckt mal wieder die Zähne.

Es hat die besseren Waffen

und einen großen Hunger.

Recht hat, wie immer, wer stärker ist:

Im Namen Gottes, der Demokratie und

was sonst noch so einfällt.

 

Dies ist keine Welt,

die wir euch mit Stolz hinterlassen.

Dies ist das Reich des Wolfes im globalen Pelz.

An seinem Hof herrscht der allmächtige

Spaß, und das Gerappel der Kassen

füllt die Hirne und Herzen.

Wir haben versucht, unsere Welt zu verändern.

Darüber sind wir alt geworden.

Diese hier wollten wir verhindern.

Es ist uns nicht gelungen.

 

II

 

Damals, zwischen Kuckucksnelken

und zerbrochenen Bodenfliesen,

haben wir gelernt zu überleben

und zu träumen.

Die Kletterpartien über die Trümmer der Welt

unserer Vorfahren und über die

Eisenträger des Wirtschaftswunderlandes

konnten seelische Schieflagen

nicht verhindern. Dennoch:

Das Gute schien machbar.

 

Wir wollten, wie viele vor uns,

die Welt wieder auf die Beine stellen, wir,

die Kinder von Lenin und Brecht, (von Marx und Coca Cola).

Damals hätte ich sofort gewusst,

was es zu sagen gäbe an die Adresse der

Nachgeborenen: Menschenwürde

und Gerechtigkeit hätte ich besungen, und

gesprochen hätten wir voll Klugheit

über die dornigen Wege bis dahin.

Die sich als unbegehbar erwiesen. Wenig später.

 

Als ihr dann kamt, Hoffnungsträger, Schreihälse,

waren mir die Argumente

schon aus den Händen gefallen.

Ich fand mich auf einmal wieder

in der besten aller derzeit möglichen Welten.

Alle Leuchttürme waren erloschen. Es wurde kalt.

Euch sah ich heranwachsen. Ich brachte euch

das Überleben bei, aber ich wagte es nicht mehr,

eurem Werden eine Richtung zu geben.

Ich hatte die meine verloren.

 

III

 

Heute gehe ich angewidert und tatenlos

ein und aus in der plastikknisternden Welt

des Wolfes. Hofnärrin und müde.

Das Leiden der Menschen sehe ich

auf dem Bildschirm und manchmal

an den Straßenecken. Noch immer

schlägt dann mein Herz die Hände

vors Gesicht und weint. Ihr aber

schreitet achselzuckend mitten durch.

Das macht mich traurig.

 

Ich sehe euch andere Wege beschreiten,

zu anderen Zielen.

Was soll ich euch also sagen?

Unsere alten Träume

entlocken den Heutigen

doch höchstens ein Lächeln.

Aber ich fürchte für euch: Was ich

euch mitgeben konnte, trägt nicht weit.

In dieser Welt, die die eure ist,

braucht man ganz andere Schuhe.

 

Ihr aber fürchtet euch nicht.

Ihr geht einfach nach vorne.

Der Hof des Wolfes ist euer zu Hause.

Ihr habt gelernt,

nach seiner Pfeife zu tanzen und

hinter seinem Rücken euer Ding zu drehn.

Das ist eure Chance.

Denn ihr werdet leben,

wo ich nicht mehr leben muß.

 

Ich denke an euch mit Nachsicht.

an die traurige Tochter in der Ferne

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Du gehst die Wege, die du gehen willst.

Ich schaue zu und bleibe leise und von ferne stehn.

Weit weg von mir ersteigst du unbekannte Berge,

sprichst fremde Sprachen, die ich nicht verstehe,

zeigst Wagemut, der mich das Staunen lehrt.

 

Nur deine Traurigkeit und deine Ängste,

sie sind mir so vertraut.

Ich höre die Beschwörung deines Glücks.

Ich sehe deine Tränen, meine sie zu schmecken.

Und doch kann ich die Hand nicht  rühren:

 

Die Jahre, die ich ganz in deiner Nähe war,

sind längst Vergangenheit.

Die Zeiten, wo ich hätte

meine Tochter trösten können,

sie sind vorbei und sind vielleicht vertan.

 

Mir bleibt es nur, zu wünschen und zu hoffen,

dass dir das Leben nicht nur Wunden schlägt,

und irgendwann die Liebe dir begegnet und auch bleibt

und zart, und so wie Mütter und Geliebte es nur können

mit sanfter Hand die Tränen dir von deinen Wangen streift.