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- 27.6.2009: Liebeslied im Juni
- 17.5.2009: Vorfrühling im Moor
Archiv der Kategorie A. Poesie
mein garten im ersten frost
15.12.2009 von m.s..
karg
ist es geworden
auf
den beeten
in
meinem lustgärtchen.
niemand
zeigt mehr blatt.
gräulich
das grün und
welk
die letzten farben
der
Astern.
ich
habe euch alle
rechtzeitig
zu bett gebracht.
die
kälte beißt um sich
aber
sie kann euch nichts
mehr
tun.
ihr
habt alle träume
zu
euren wurzeln genommen.
haltet
sie warm
und
laßt sie erst heraus
wenn
ihr sicher seid,
daß
der weiße tau sie nicht fressen kann
in
den eisigen morgenstunden.
ich
wache
in
der kalten sonne
über
eure ruhe,
trotze
den stürmen
und
erzähle den meisen
vom
letzen sommer.
wir
warten.
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Frühe Winternacht
25.11.2009 von m.s..
Eine Straßenlaterne
wirft orangefarbenes Licht
auf den verschneiten Hang
hinter meiner Fensterscheibe.
Zwischen den Kinderschlittenspuren
laufen Perlenschnüre kleiner Fußabdrücke
Hang aufwärts.
Meine Sommerabendbank
steht schwarz im Schnee,
dort,
wo das Licht nicht mehr hinreicht.
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l’aprèsmidi d’un faun
22.7.2009 von m.s..
In der Sonntagsmittagshitze
vor meinem Hügel
entrollen sich die abgemähten
Weizenfelder bis zum Horizont.
Ich zähle eine Hand voll Dörfer
in meinem Sommerbild:
graue Steinhaufen, eingebettet in ein Netz
von Eichen-Hecken, schmalen Straßenbändern
und laubgrünen Senken.
Und nichts bewegt sich.
Nur über die Maisfelder geht von Zeit zu Zeit
der sanfte Sonnenwind hinweg.
Die Zeit steht.
Still sitze ich am Wiesenrand,
starre in die helle, heiße Welt,
die dort den Tag erträumt
unter der weißen Bläue.
Und lausche:
im Farn ein Rascheln,
die Ginsterschoten knacken
platzend in der Hitze.
Ich schaue hin:
Da sitzt er,
halb verdeckt von Gräserrispen.
Er schaut zu mir herüber
und setzt die Flöte an.
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sommerversprechen
1.7.2009 von m.s..
irgendwo liegen
auf dem rücken
sorglos.
unter dem blau
zwischen schierlingskraut
und glockenblumen.
in friedlicher koexistenz
mit ameisen und
goldglänzenden mistkäfern.
versteckt.
irgendwas träumen:
auf dem hund
reitet ein kind.
jetzt fliegt es davon.
und der hund
mutiert
zum drachengeheuer.
aug in auge
mit seinem feuerschlund,
gelassen
zusehen können,
wie er vergeht
im blau.
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Liebeslied im Juni
27.6.2009 von m.s..
Soll ich das Lied
singen,
das aus deinem Herzen kommt,
Liebster?
Soll ich dir singen
vom Sommerrausch
zwischen den tiefgrünen
Hecken, die mit
leuchtenden Blütenperlen
übersät sind,
von umwucherten
Rosenbänken,
vom sanftbunten, endlosen
Gleiten und Landen
der Schmetterlinge
auf den üppigen
Nektartränken duftender
Blütendolden?
Soll ich deinen Jubel
über unseren Liebesgarten
auf den blauen Abendhimmel
über uns schreiben
mit Kondensstreifen
aus Millionen weißer Blütenblätter?
Soll ich den weichen, hellen
Wind einfangen
und damit die Nachtluft
fort blasen,
bis die Sonne wieder
über unserem Garten den
Tag ausruft?
Wenn die Farben verblassen,
ist es auch in unserem Garten
grau.
Und höchstens der Mond
bescheint die geheimnisvolle
Bank, auf der wir uns noch lange Zeit
in den Armen halten und wärmen.
Aber ein leises, entzücktes Summen,
dein Jubel, liegt noch immer
über der Stille der Nacht.
Und singt auch in mir.
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Vorfrühling im Moor
17.5.2009 von m.s..
weiter Blick über die Moorlandschaft im Emsland
Dies ist das Moor im ersten Frühlingslicht:
Ein herber Landstrich, der sich freundlich zeigt
und nichts verlangt
als Schauen, Schauen, Schauen
Horizont
Ich liebe diese weiten, kargen Horizonte,
das helle Licht, das eine stille Welt bescheint,
die sanften Linien der Ebene wie lange, flache Wogen
auf einem spröden Binsenmeer.
Das nackte Frühlingslicht liegt ausgeschüttet da
und füllt die kühle Luft mit Wärmepolstern auf.
Die Lerche rüttelt über mir.
Ihr Lied klingt so vertraut, so sehr entbehrt.
Dahinter dehnt sich immer weiter noch
ein blasses Grün und Ockerbraun,
ein großes Feld, und Wiesen bis ans Ende,
wo sich ein dunkler Streifen dämmergrüner Wald
erstreckt
und Himmelsblau und Erde
von einander trennt.
Dies ist das Moor im ersten Frühlingslicht:
Ein herber Landstrich, der sich freundlich zeigt
und nichts verlangt
als Schauen, Schauen, Schauen.
so weit das Auge reicht
Das Land liegt offen da, so wie die
Innenfläche einer breiten, festen Hand.
Und wie die Linien, die das Geheimnis eines Lebens
hüten, ziehn schwarze Gräben durch das
blasse Wintergrün der Felder und enden irgendwo.
Als hätte jemand diese ausgestreckte Welt
mit einem dicken Kohlestift markiert.
Nur hier und da entzündet sich das Sonnenlicht
am rostigroten Band der Böschungen.
Der Himmel schimmert blau und tief zugleich.
Er fällt wie Sonnenregen ins Geäst der kahlen Birken.
Die Wasserflächen spiegeln ohne Ende
die wolkenlose Weite auf die karge Erde.
Moorgraben
Dies ist das Moor im ersten Frühlingslicht:
Ein herber Landstrich, der sich freundlich zeigt
und nichts verlangt
als Schauen, Schauen, Schauen.
Wasserstelle im Moor
Dies Land ist Wasserland.
Im nahen Moorwald glänzen schwarze Tümpel.
Im Moos, verborgen zwischen Polsterkissen,
stehn heimlich stille, kalte Wasserlöcher.
Die Felder schimmern nass.
Wo immer auch
ein Fuß den Boden nur berührt, -
quillt Feuchtigkeit aus weichem Torf.
Es nistet ein Geheimnis in den Wassergräben,
ist immer gegenwärtig, überall zu spüren.
Es legt sich auf die Haut und auf die Lippen.
Es schmeckt nach Wind und nasser, fetter Erde.
Das Leben ist es selbst, das hier in allen Ritzen nistet
und alle morschen Zäune, alle Wetterstämme,
mit seinem feuchten Hauch berührt und sie
danach mit dunkelgrünem Samt bespannt.
Waldteiche
Dies ist das Moor im ersten Frühlingslicht:
Ein herber Landstrich, der sich freundlich zeigt
und nichts verlangt
als Schauen, Schauen, Schauen.
einsamer Hof
Vereinzelt stehen reiche Höfe hinter alten Bäumen
als wollten sie sich unbefugtem Blick entziehen.
Doch wenn du näher kommst,
begrüßt der Hofhund dich wie einen alten Freund.
Dort hinten vor dem weiten Wiesenland
seh ich drei Erlen plaudernd beieinander stehen,
barhäuptig noch im Lichte, das die Weite feiert,
und das die Nebelschwaden aus den Niederungen treibt,
wo große Vögel aus den Wiesensenken
in einem glitzernd bunten Funkenregen
aufsteigen und zum nächsten Wasser ziehen.
Moorlandschaft
Dies ist das Moor.
Ein herber Landstrich, der sich freundlich zeigt
und nichts verlangt
als Schauen, Schauen, Schauen
Moordorf
Geschrieben in A. Poesie, Natur, Frühling | Keine Kommentare »
Ankunft im Moor
17.5.2009 von m.s..
Wir aber haben Zeit.
Im Hochmoor zählen die die Jahrtausende.
Zwischen rostrot gesäumten Wassergräben
und blassgrünen Wiesengründen
bis zum Horizont,
wird sich der Frühling entfalten
und über den Wassergräben
die Luft anfüllen mit flimmerndem
Licht.Später.
Noch hält der Frost die Luft an.
Hohe Binsenrispen vom Vorjahr
glitzern wie blühendes Eis.
Binse im Moorsee
Kahle Erlen stehen mit geschlossenen Augen
in der Morgenhelle.
Die Stille wartet auf die ersten Lerchen.
Und voller Verheißung legt das warme Sonnenlicht
seine Hände auf unsere Wintergesichter.
Weg durchs Moor
Geschrieben in A. Poesie, Natur, Frühling | Keine Kommentare »
Reise dem Frühling entgegen
17.5.2009 von m.s..
Wir reisen durch eisweiss bereifte Wälder
dem östlichen Winter davon.
Die Sonne steht flach am Horizont.
Nur der Himmel flüstert vom Frühling.
Wenn sie im Westen untergeht,
werden auch wir am Ziel sein.
Allmählich beginnt der Nebel zu steigen.
Das befreite Licht
zaubert Kirschblütenträume an unseren Weg.
Frühlingsbäume säumen für eine Weile
die verschneiten Felder entlang der Straße.
Stunden später durchbricht auf den Äckern
schwarzbraune Erde die Decke aus Schnee.
Das Land kämpft sich ans Licht.
Nur in den Schattensenken
bleiben weiße Flecken zurück.
Zwischen roten Kieferstämmen leuchtet
voller Verheißung ein sonnentrunkner Wald.
Menschen stehen in ihren kahlen Gärten
und plaudern in der Mittagswärme,
sorglos auf ihren Spaten gestützt.
In diesem Garten prahlt längst der Frühling
mit seiner prallen Gegenwart:
zwei Hände voll, dahin geschüttet
vor die hellen Mauer,
wie kleine lila Sonnensegel aufgebläht.
Frühlingsboten
Dort, wo die Reise enden soll,
wird all das noch ersehnt.
Das Moor liegt still dem Himmel gegenüber.
Und wartet.
Geschrieben in A. Poesie, Natur, Frühling | Keine Kommentare »
an die, die nach uns kommen
25.11.2008 von m.s..

I
Ja sicher, uns geht es gut.
Sogar unsere Armen sind meistens satt.
Die auf der anderen Seite stehen,
sehen uns mit Neid und mit Hass.
Man sagt euch, ihr müsst verteidigen,
was euer ist. Und warum?
Ich kann die Tür nicht verschließen vor denen,
die Einlass begehren.
Ich kann nicht sagen: Dies gehört uns.
Es gehört den Menschen.
Ich kann auch nicht sagen:
unsere Götter sind die besseren,
unsere Sitten sind die richtigen,
unsere Gedanken sind wahrer als ihre.
Rom bleckt mal wieder die Zähne.
Es hat die besseren Waffen
und einen großen Hunger.
Recht hat, wie immer, wer stärker ist:
Im Namen Gottes, der Demokratie und
was sonst noch so einfällt.
Dies ist keine Welt,
die wir euch mit Stolz hinterlassen.
Dies ist das Reich des Wolfes im globalen Pelz.
An seinem Hof herrscht der allmächtige
Spaß, und das Gerappel der Kassen
füllt die Hirne und Herzen.
Wir haben versucht, unsere Welt zu verändern.
Darüber sind wir alt geworden.
Diese hier wollten wir verhindern.
Es ist uns nicht gelungen.
II
Damals, zwischen Kuckucksnelken
und zerbrochenen Bodenfliesen,
haben wir gelernt zu überleben
und zu träumen.
Die Kletterpartien über die Trümmer der Welt
unserer Vorfahren und über die
Eisenträger des Wirtschaftswunderlandes
konnten seelische Schieflagen
nicht verhindern. Dennoch:
Das Gute schien machbar.
Wir wollten, wie viele vor uns,
die Welt wieder auf die Beine stellen, wir,
die Kinder von Lenin und Brecht, (von Marx und Coca Cola).
Damals hätte ich sofort gewusst,
was es zu sagen gäbe an die Adresse der
Nachgeborenen: Menschenwürde
und Gerechtigkeit hätte ich besungen, und
gesprochen hätten wir voll Klugheit
über die dornigen Wege bis dahin.
Die sich als unbegehbar erwiesen. Wenig später.
Als ihr dann kamt, Hoffnungsträger, Schreihälse,
waren mir die Argumente
schon aus den Händen gefallen.
Ich fand mich auf einmal wieder
in der besten aller derzeit möglichen Welten.
Alle Leuchttürme waren erloschen. Es wurde kalt.
Euch sah ich heranwachsen. Ich brachte euch
das Überleben bei, aber ich wagte es nicht mehr,
eurem Werden eine Richtung zu geben.
Ich hatte die meine verloren.
III
Heute gehe ich angewidert und tatenlos
ein und aus in der plastikknisternden Welt
des Wolfes. Hofnärrin und müde.
Das Leiden der Menschen sehe ich
auf dem Bildschirm und manchmal
an den Straßenecken. Noch immer
schlägt dann mein Herz die Hände
vors Gesicht und weint. Ihr aber
schreitet achselzuckend mitten durch.
Das macht mich traurig.
Ich sehe euch andere Wege beschreiten,
zu anderen Zielen.
Was soll ich euch also sagen?
Unsere alten Träume
entlocken den Heutigen
doch höchstens ein Lächeln.
Aber ich fürchte für euch: Was ich
euch mitgeben konnte, trägt nicht weit.
In dieser Welt, die die eure ist,
braucht man ganz andere Schuhe.
Ihr aber fürchtet euch nicht.
Ihr geht einfach nach vorne.
Der Hof des Wolfes ist euer zu Hause.
Ihr habt gelernt,
nach seiner Pfeife zu tanzen und
hinter seinem Rücken euer Ding zu drehn.
Das ist eure Chance.
Denn ihr werdet leben,
wo ich nicht mehr leben muß.
Ich denke an euch mit Nachsicht.
Geschrieben in A. Poesie | Keine Kommentare »
an die traurige Tochter in der Ferne
25.11.2008 von m.s..
Du gehst die Wege, die du gehen willst.
Ich schaue zu und bleibe leise und von ferne stehn.
Weit weg von mir ersteigst du unbekannte Berge,
sprichst fremde Sprachen, die ich nicht verstehe,
zeigst Wagemut, der mich das Staunen lehrt.
Nur deine Traurigkeit und deine Ängste,
sie sind mir so vertraut.
Ich höre die Beschwörung deines Glücks.
Ich sehe deine Tränen, meine sie zu schmecken.
Und doch kann ich die Hand nicht rühren:
Die Jahre, die ich ganz in deiner Nähe war,
sind längst Vergangenheit.
Die Zeiten, wo ich hätte
meine Tochter trösten können,
sie sind vorbei und sind vielleicht vertan.
Mir bleibt es nur, zu wünschen und zu hoffen,
dass dir das Leben nicht nur Wunden schlägt,
und irgendwann die Liebe dir begegnet und auch bleibt
und zart, und so wie Mütter und Geliebte es nur können
mit sanfter Hand die Tränen dir von deinen Wangen streift.
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