Über-Leben

Wenn ich die Augen öffne
und die Konturen dieses Baumes
vor dem blauen Himmel erblicke
und denke:
Wie schön!

Dann durchzuckt mich
voller Genugtuung
die Gewissheit:
Ich habe dich für eine
geschlagene Sekunde
vergessen können.

Das Januarlicht blendet hell
wie der Tag.
Ich fühle die spärliche Wärme
der gleißenden Sonne
auf meinem Gesicht
und denke erstaunt:
Wie kann ich Wärme empfinden,
wo ich doch in Eis getaucht bin
bis ans Herz?

Ich blicke einem Kind nach,
dass über die Straße rennt,
dem Auto knapp entkommen,
und es lacht.
Wie konnte ich Angst fühlen
und dann Erleichterung?
Wo ich doch eingespannt bin
in den Schraubstock
meiner Liebe?

Gibt es doch Hoffnung,
dass ich über-lebe?

2002

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