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Archive für 22.3.2009
Frühling, was ist das?
22.3.2009 von m.s..
“Waren Sei schon mal in einer Obdachlosensiedlung?”
fragte der Kollege. Sie lachte. “Nein eigentlich nicht”. Es fiel ihr erst jetzt auf. Aber warum sollte das problematisch sein? Sie hatte sich sofort gemeldet, als der Chef in der letzten Teamsitzung am Montag gefragte hatte, wer von ihnen bereit sei, in Zukunft die Betreuung des Kindergartens in der Siedlung “Am Hasengarten” zu übernehmen. Die Psychologin, die das bisher gemacht habe, sei letzten Oktober in Pension gegangen und nun habe er von dort die Anfrage, ob die Beratungsstelle auch weiterhin bereit sei, die Mitarbeiter dort bei ihrer Arbeit zu unterstützen.
Iris war neu im Team, frisch von der Uni, voller Tatendrang aber auch ohne Illusionen. Natürlich war sie bereit, ihre Kompetenzen auch solchen Menschen zur Verfügung zu stellen. Solchen erst recht, dachte sie mit ein klein wenig Trotz. Und was soll’s? Kinder sind Kinder. Auch wenn diese Kinder arm waren und schlechte Chancen hatten und vielleicht Schlimmes erleben mussten. Sie bleiben Kinder und mit denen konnte Iris umgehen, sie wusste, was sie brauchen und wie man sie ansprechen konnte.
Eine kleine Autofahrt in der Dienstzeit bei diesem schönen, klaren Vorfrühlingswetter, das war außerdem eine Freude. Iris begrüßte die sanft gewellte Landschaft, durch die sie fuhr. Auch vom Auto aus war deutlich zu erkennen, dass sie gerade dabei war, aus dem Winterschlaf aufzuwachen. Noch waren Bäume und Sträucher kahl. Aber auf den weiten Feldern leuchtete die Wintersaat in einem satten Grün. Ab und zu fuhr sie durch ein Dorf. In den Vorgärten blühten Forsythien und lockten Primeln. Der Himmel hatte jene veilchenblaue Tiefe, wie er sie nur im März hat, wenn die Sonne plötzlich die Erde wieder für sich entdeckt.
Iris fuhr langsamer und ließ die Wagen, die sich hinter ihr in einer ungeduldigen Schlange aufgestaut hatten, vorbei fahren. Sie drehte ihr Fenster herunter. Genüsslich reckte und dehnte sie ihre Glieder und atmete tief ein. Der Winter war lang und trübe gewesen in diesem Jahr. Jetzt räumte also endlich der Frühling mit dem Schmuddelwetter auf.
Iris sah die paar Häuserblocks von weitem. Sie standen einfach mitten in den Feldern, ein halbes Dutzend graue, dreistöckige Häuser mit flachen Dächern. Inmitten der sich gerade herausputzenden, strahlenden Natur wirkten sie ernüchternd und trübselig. Als Iris näher kam, sah sie, dass bei einigen der Häuser im oberen Stockwerk Fensterscheiben zerbrochen waren. Der Putz blätterte überall von den Fassaden ab und unter den Fenstern zeugten große, dunkle Flecken davon, dass hier seit Jahren Dreck an den Hauswänden herunter geflossen war. Den Rest des Eintrags lesen »
Geschrieben in A. Kurzgeschichten, Kinder haben, Frühling | Keine Kommentare »