Archive für 13.1.2009

Das Schokoladengeschäft


1920 Inflation

 

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Lucie reckte sich. Ein bisschen tat ihr jetzt der Rücken weh. Aber das war nicht weiter schlimm. Hauptsache, es würde alles gut. Er musste einfach auf ihren Brief reagieren!

Die Kundin war gegangen. Lucie hatte das melodische Läuten der Türglocke noch im Ohr. Wie sie dieses Geräusch liebte! Ihre freundliche Ladenglocke! Sie hatte lange gesucht, bis sie damals eine Glocke mit einem solchen Klang gefunden hatte. Alles hier war sorgsam ausgewählt und zusammengestellt. Lucie warf einen zufriedenen Blick auf die gefüllten Regale und Auslagetische. Sauber aufgereiht, nach Farben und Größen sortiert und appetitlich auf einander gestapelt türmten sich mit Rosen bemalte Bonbonieren, Schokoladentafeln und bunte Konfektdosen. Schachteln mit Trüffeln, große Glasbehälter mit Rumkugeln, feinen Pralinen und glitzernd verpackten Bonbons standen auf der matt glänzenden Holztheke. Die goldene Folie der Konfektschachteln, das glänzende rote Papier, die silbern ausgeschlagenen Regalnischen, all das leuchtete geheimnisvoll auf dem dunkelroten Mahagonieholz der Ladeneinrichtung. Wenn man von der Straße die zwei Stufen zu ihrem Laden hinaufstieg und durch die Tür trat, glaubte man sich in die Wunderhöhle versetzt, in der Alibabas Schatz gehütet wurde. Und dazu roch es köstlich, aromatisch süß. Lucie sog den Duft ein, diesen Duft nach Schokoladenkeksen und Likör. Er erinnerte an gemütliche Dämmerstunden bei Kakao und zartem Gebäck. Sie roch diesen Duft noch immer gerne, obwohl sie nun schon seit fast vier Jahren im Laden stand und ihre erlesene Kundschaft bediente. Sie konnte sich eben selber nicht satt sehen und satt riechen an diesem prachtvollen Kunstwerk aus Schokolade und Pralinen.

 

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