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Friedhofsgespräche
Erzählung in drei Monologen

Eine Frau besucht das Grab ihrer Mutter und beginnt dabei einen Dialog, der schon lange für sie überfällig war…
Neben der großen Birke ist dein Grab. Du bist gestorben, als mein jüngstes Kind unterwegs war. Weil es einer Schwangeren nicht gut tut, den Tod zu sehen, haben damals alle verstanden, dass ich dich nicht mehr besuchen konnte.
Meine Tochter ist heute 16 Jahre alt.
An deinem Todestag fahre ich noch immer auf den Friedhof. Er liegt in einer kleinen Stadt, irgendwo im Hessischen, dort wo meine Schwester ihr Haus hat. Du hast dort nie gelebt. Aber du wolltest nicht an dem Ort begraben werden, wo du so lange gelitten hattest.
Und bei der Birke ist es auch sehr hübsch. Man schaut in ein sanft geschwungenes kleines Wiesental. Hinter dem Städtchen stehen auf Hügeln zwei Burgen. Die Häuser in der Nähe des Friedhofs sind gepflegt und freundlich. Wenn die Lampe an deinem Grab brennt, kann man das Licht im Winter, wenn alle Bäume kahl sind, vom Küchenfenster meiner Schwester aus sehen.
Manchmal sind auch meine Kinder mitgekommen, wenn ich zu deinem Todestag her gefahren bin. Jetzt sind sie schon groß und zwei leben in anderen Städten. So kommt es, dass ich jetzt meist alleine fahre.
Und alleine stehe ich an der Birke und versuche mit dir zu sprechen, Jahr für Jahr…..
Die drei folgenden Teile werden in den nächsten Tagen eingestellt.
Teil I: Mutterlos
Eine Abrechnung mit der toten Mutter, 50 Jahre zu spät aber immer noch nötig…
Teil II: Denkmal für meine Mutter
Der Versuch, der Mutter gerecht zu werden, sie zu sehen, wie sie wirklich war…
Teil III: Rabenmütter unter sich
Gespräch von Mutter zu Mutter: über das Schicksal, Mutter zu sein und die Trauer darüber, dass es nie gelingt, wirklich eine gute Mutter zu sein…