Archive für November 2008

Herbstliebe

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Was dort in lichten Flammen steht,

das ist kein Blütenfrühlingstraum.

Die himmelweite, purpurfarbne Glut

hat unerwartet früh der erste Frost entfacht,

als noch die letzen Sommerblumen

ihre Lieder summten.

 

Der Himmel schickt nicht Blütenschnee

zur Feier unsres Liebesfestes.

Er wirbelt lieber übermütig

Das bunte Herbstkonfetti durch die helle Luft.

Und seine späte Sonne scheint so unbeirrt,

als könne sie uns ewig wärmen.

 

Bei deinen grauen Schläfen, sag:

War je dein Herz so jung? Schlug je dein Herz so laut?

Und warst du, Liebster, jemals so lebendig?

Oh, deine weichen Küsse schmecken unersättlich,

Ich greife zärtlich in dein festes Fleisch.

Wie heißer Samt umschlingt mich deine Haut.

 

Oh, lass mich dich in meinen Armen wiegen,

auch dann noch, wenn das Fest schon längst verklungen ist,

wenn alle Blätter auf dem nassen Boden liegen

dann, wenn sie ihren Feuerglanz verloren haben,

und wenn der Himmel durch die kahlen Äste

auf die Erde fällt.

 

Goldwäscherei


Durch die weit geöffneten Fenster

 dringt Stunde um Stunde

 das silbergraue Rauschen des großen Regens.

 Wenn ich die Augen öffne,

 blicke ich in ein

 wandgroßes Viereck

 verhangenen Himmels.

 Nichts als weiche, warme Wolkenballen

 hinter Birkenschleiern.

 

Wir halten uns umschlungen

 und lauschen den Berührungen

 unserer Seelen und unserer Leiber,

 tasten vorsichtig Grenzen ab,

 staunen, wie Übergänge

 vor unserem Blick in einander fließen und

 sehen lächelnd zu, wo das Wasser

 an Felskanten überläuft

 auf neues Land.

 

Während um das Haus langsam

 und still die Flut steigt,

 lassen wir auf dieser Arche

 unsere Träume wie ungewaschenen

 Sand prüfend

 durch die Finger gleiten.

 Ich sammle meine Goldkörner

 in der Kuhle

 unter deinem Schlüsselbein.

Leere vor dem Horizont

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Der Strand ist leer.

Ich warte schon so viele Monde lang.

Noch immer fegt der Wind

den Sand über die weite Fläche

und hinterlässt flüchtige Muster.

Es hat sich nichts geändert.

Die Zeiger meiner Uhr

kommen noch immer

nur mühsam voran

gegen die Gegenwart.

 

Doch heute nun

hat ihn mein Herz verlassen

und schwimmt auf fremden Kähnen

dort am Horizont.

Dahinter

ist die Welt

noch lange nicht zu Ende.

Ich habe es gesehen.

 

Was soll ich machen,

wenn er doch noch kommt?

Dein Gesicht

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Solange es gedauert hat,

bei jedem neuen Wiedersehen

am Ostbahnhof

wenn mein Zug noch da stand,

wenn du ohne ein Lächeln

an mir vorbei gesehen hast,

als wartetest du auf jemand anderen,

und dann an deiner Wohnungstür,

nach Monaten,

als ich dich mitten im Umzug antraf,

wo der Geruch der anderen Frau

noch in den Räumen hing,

und auch in der Wohnküche deiner Schwester

in jener miefigen Kleinstadt

im Nebel

und schließlich neulich erst

in der Sonne an einem hellen Maitag

und die Tage drauf an meinem Krankenlager - 

immer wieder,

so lange es also gedauert hat:

 

Immer habe ich mich erschrocken

vor deinem fremden Gesicht,

vor deinem undurchdringlichen,

deinem verärgerten, enttäuschten Blick….

Sie sieht man keine Frau an,

die man liebt.

Oh nein.

Nacht


Ich nehm’ dich mit,

wo uns die Nacht umfängt

und wo der Schmerz verstummt

und Wunden leer verblassen.

Die Sehnsucht sickert

fort.

Die Trauer schweigt.

Und deckt uns

sanft

mit ihrem kühlen Mantel

des Vergessens zu.

Der Koffer


Du böser Koffer

Du bist schuld.

Du warst zu voll.

Du warst zu schwer.

Und ich hab

dumm und rücksichtslos

gedacht:

„Ich kann’s nicht tragen,

und der Mann ist er.“

Er hat’s getan.

Was blieb ihm schon?

Und konnte es doch

auch nicht mehr.

 

Ich hatte dich

zu voll gepackt

mit Sehnsucht

und Klamotten.

Und wer kann das noch

tragen,

der schon so vieles trägt?

Verdammt, wir sind

nun mal nicht zwanzig. 

Es war zu schwer

Und war zu schwer zu sagen.

Ich hab mich selber

reingelegt.

 

Ich hatte dich

gedankenlos

so schwer gepackt,

obwohl ich wusste,

es sind hundert

Stiegen.

Und als wir oben waren,

war es dann zuviel.

Du hast

mit deiner Last

ihm alle Liebe

herzlos

ausgetrieben.

 

Er hatte Rückenweh

für viele Tage.

Und ich hab lange

Wochen noch gelitten.

Und habe emsig

voller Trauer

die Wunden mit Gedichten

ausgeheilt.

Doch die Moral

ist unumstritten:

Ich trag am besten

ab sofort

die Lasten meines Lebens

selbst -

und gut verteilt.

Unter dem Sand

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Der Wind peitscht

Sand

über den Flutsaum.

Er weht dich zu.

Ich sehe noch dein Haar

und wenig noch vom Blau

deines Pullovers.

Mehr nicht.

Ein neuer Windstoß

entblößt erneut

deine Wangen,

deine Hände.

Ich starre und

warte.

Irgendwann,

hat der Dünensand

dich

ganz bedeckt.

Ich muss Geduld haben

mit dir.

So hast du gesagt.

 

Die Stelle, wo du liegst

sieht unberührt und glatt aus.

Morgen vielleicht

wird die Flut

dich schon wieder frei schwemmen.

Aber dann bin ich längst

hinter den Dünen

verschwunden und

auf dem Weg zu mir nach Hause.

 

Nicht für mich


In deinen Armen war genau so viel Platz,

wie ich brauchte, um mich darin wohl zu fühlen.

Deine Hände zogen Feuerlinien über die

Haut meines Unterleibes.

Wenn du sprachst,

war es immer, als wüsstest du schon,

was ich sagen und denken würde.

Wenn du die Kerzen anzündetest,

leuchteten sie nur für mich

das Dunkel deiner Räume aus.

 

Doch klingelte das Telefon zu oft.

Und du vollzogst vor meinen Ohren

immer wieder

die wunderbare Vermehrung deiner Tugenden.

Und ich ahnte immer mehr,

und wollte es doch nicht wissen,

dass all das ebenso gut für mich war

wie für viele andere.

 

Und dass in deinen Armen

genau immer der Platz ist,

der gerade gebraucht wird,

und dass deine Hände ihre Feuerlinien

ziehen über viele Frauenleiber.

Vielleicht auch sprichst du immer aus,

was sie so alle denken.

Dein Kerzenvorrat jedenfalls

ist sicher unbegrenzt.

 

Ahnungslos nahm ich

Platz am gedeckten Tisch.

In einem guten Gasthaus

soll sich jeder zu Hause fühlen.

Aber für mich war nicht gedeckt.

 

liebe.de


Die Ballade von der Internet-Partnersuche

 

Es war ja nur ein Spiel,

das reizte sehr,

ein Flirt, der wenig kostet und

vielleicht ja doch

am Schluß zum Himmel führt.

Ein wenig war es ernst,

ein wenig witzig,

ein wenig prickelnd und

ein wenig hitzig.

Und immer leicht und schnell

Mit mouse-Klick wieder zu beheben.

 

Man kokettiert’ mit Worten und Metaphern.

Man schrieb spontan und locker frei,

mal war man lustig und mal war man leise

und manchmal auch betrübt dabei.

Die viel zu spät geskannten Fotos wollten eigentlich

zum Bilde nicht mehr richtig passen,

das man im Auge hatte.

Jedoch rein virtuell

war man schon fast verliebt.

 

Ganz unverbindlich erst,

hat es auf einmal doch

ganz unversehens

die Schleusen aufgestemmt

zu längst verschlossnen

Träumen und Verließen.

Da ging das Sehen los

und alle Süchte fingen

klingelnd an, sich unverschämt

konkret im Herzen zu ergießen.

Rein virtuell versteht sich.

 

Und schließlich mailte dann

ein Mann am andern Ende,

der wurde irgendwann

ganz fürchterlich

und wunderbar real.

Er hatte kleine, feuerfeste Hände.

Und heute trägt sie noch sein Mal.

 

Er hat dies Spiel gespielt wie sie

und virtuell sein Lasso ausgeworfen.

„Herbstliebe“ hieß es.

O, welch zauberhafte Poesie!

Jedoch bei einem Herbst ist es geblieben.

Es war zu weit.

Er war zu fern,

zu totgelebt und abgeliebt.

 

Nun sitzt sie hier

und schreibt an langen Liebesliedern,

die sie wie Pfeile auf ihn zielt,

und weiß nicht, ob sie traf.

Denn er schweigt lange schon

rein virtuell und überhaupt.

Ein mouse-Klick kann

ihr Herz nicht einfach wieder schließen.

Sie ist verwundet,

ganz real.

 

Da sind noch viele andre

und sie weiß es wohl,

wenn sie sich gut verkauft

auf diesem Single-Markt,

hat sie noch manche virtuelle Chance.

Ein bisschen Glück, ein kleiner Deal,

vielleicht klappt es das nächste Mal.

 

Ich scheiße auf das ganze Spiel.

 

Höre Liebster, hier spricht die Nacht

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Höre Liebster,

hier spricht die Nacht.

Schließe die Augen und hab

keine Angst.

Die Alpträume des Tages

sind fort.

Ich werde dich beschützen,

bis der Morgen graut.

 

Höre Liebster

Du musst es vergessen.

Die deinen Weg kreuzte

und sich an dir gestoßen hat,

kam aus einer anderen Welt.

Es war nicht die deine.

Sie wird wieder untertauchen

und ihren Fluch von dir nehmen.

 

Höre Liebster

Es reicht mir,

an deinem Bett zu sitzen

und deinen Schlaf zu bewachen.

Ich werde dich nicht berühren

und keine Träne weinen.

Wenn du aufgewacht sein wirst,

hast du alles vergessen.

 

Höre Liebster

Ich singe dir ein Lied.

Es ist nur ein kleines bisschen

traurig.

Es handelt von dir und mir

und davon, dass wir uns

nie begegnet sind

im Tageslicht.