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Archive für November 2008
Herbstliebe
25.11.2008 von m.s..

Was dort in lichten Flammen steht,
das ist kein Blütenfrühlingstraum.
Die himmelweite, purpurfarbne Glut
hat unerwartet früh der erste Frost entfacht,
als noch die letzen Sommerblumen
ihre Lieder summten.
Der Himmel schickt nicht Blütenschnee
zur Feier unsres Liebesfestes.
Er wirbelt lieber übermütig
Das bunte Herbstkonfetti durch die helle Luft.
Und seine späte Sonne scheint so unbeirrt,
als könne sie uns ewig wärmen.
Bei deinen grauen Schläfen, sag:
War je dein Herz so jung? Schlug je dein Herz so laut?
Und warst du, Liebster, jemals so lebendig?
Oh, deine weichen Küsse schmecken unersättlich,
Ich greife zärtlich in dein festes Fleisch.
Wie heißer Samt umschlingt mich deine Haut.
Oh, lass mich dich in meinen Armen wiegen,
auch dann noch, wenn das Fest schon längst verklungen ist,
wenn alle Blätter auf dem nassen Boden liegen
dann, wenn sie ihren Feuerglanz verloren haben,
und wenn der Himmel durch die kahlen Äste
auf die Erde fällt.
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Goldwäscherei
25.11.2008 von m.s..
Durch die weit geöffneten Fenster
dringt Stunde um Stunde
das silbergraue Rauschen des großen Regens.
Wenn ich die Augen öffne,
blicke ich in ein
wandgroßes Viereck
verhangenen Himmels.
Nichts als weiche, warme Wolkenballen
hinter Birkenschleiern.
Wir halten uns umschlungen
und lauschen den Berührungen
unserer Seelen und unserer Leiber,
tasten vorsichtig Grenzen ab,
staunen, wie Übergänge
vor unserem Blick in einander fließen und
sehen lächelnd zu, wo das Wasser
an Felskanten überläuft
auf neues Land.
Während um das Haus langsam
und still die Flut steigt,
lassen wir auf dieser Arche
unsere Träume wie ungewaschenen
Sand prüfend
durch die Finger gleiten.
Ich sammle meine Goldkörner
in der Kuhle
unter deinem Schlüsselbein.
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Leere vor dem Horizont
25.11.2008 von m.s..
Der Strand ist leer.
Ich warte schon so viele Monde lang.
Noch immer fegt der Wind
den Sand über die weite Fläche
und hinterlässt flüchtige Muster.
Es hat sich nichts geändert.
Die Zeiger meiner Uhr
kommen noch immer
nur mühsam voran
gegen die Gegenwart.
Doch heute nun
hat ihn mein Herz verlassen
und schwimmt auf fremden Kähnen
dort am Horizont.
Dahinter
ist die Welt
noch lange nicht zu Ende.
Ich habe es gesehen.
Was soll ich machen,
wenn er doch noch kommt?
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Dein Gesicht
25.11.2008 von m.s..

Solange es gedauert hat,
bei jedem neuen Wiedersehen
am Ostbahnhof
wenn mein Zug noch da stand,
wenn du ohne ein Lächeln
an mir vorbei gesehen hast,
als wartetest du auf jemand anderen,
und dann an deiner Wohnungstür,
nach Monaten,
als ich dich mitten im Umzug antraf,
wo der Geruch der anderen Frau
noch in den Räumen hing,
und auch in der Wohnküche deiner Schwester
in jener miefigen Kleinstadt
im Nebel
und schließlich neulich erst
in der Sonne an einem hellen Maitag
und die Tage drauf an meinem Krankenlager -
immer wieder,
so lange es also gedauert hat:
Immer habe ich mich erschrocken
vor deinem fremden Gesicht,
vor deinem undurchdringlichen,
deinem verärgerten, enttäuschten Blick….
Sie sieht man keine Frau an,
die man liebt.
Oh nein.
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Nacht
25.11.2008 von m.s..
Ich nehm’ dich mit,
wo uns die Nacht umfängt
und wo der Schmerz verstummt
und Wunden leer verblassen.
Die Sehnsucht sickert
fort.
Die Trauer schweigt.
Und deckt uns
sanft
mit ihrem kühlen Mantel
des Vergessens zu.
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Der Koffer
25.11.2008 von m.s..
Du böser Koffer
Du bist schuld.
Du warst zu voll.
Du warst zu schwer.
Und ich hab
dumm und rücksichtslos
gedacht:
„Ich kann’s nicht tragen,
und der Mann ist er.“
Er hat’s getan.
Was blieb ihm schon?
Und konnte es doch
auch nicht mehr.
Ich hatte dich
zu voll gepackt
mit Sehnsucht
und Klamotten.
Und wer kann das noch
tragen,
der schon so vieles trägt?
Verdammt, wir sind
nun mal nicht zwanzig.
Es war zu schwer
Und war zu schwer zu sagen.
Ich hab mich selber
reingelegt.
Ich hatte dich
gedankenlos
so schwer gepackt,
obwohl ich wusste,
es sind hundert
Stiegen.
Und als wir oben waren,
war es dann zuviel.
Du hast
mit deiner Last
ihm alle Liebe
herzlos
ausgetrieben.
Er hatte Rückenweh
für viele Tage.
Und ich hab lange
Wochen noch gelitten.
Und habe emsig
voller Trauer
die Wunden mit Gedichten
ausgeheilt.
Doch die Moral
ist unumstritten:
Ich trag am besten
ab sofort
die Lasten meines Lebens
selbst -
und gut verteilt.
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Unter dem Sand
25.11.2008 von m.s..

Der Wind peitscht
Sand
über den Flutsaum.
Er weht dich zu.
Ich sehe noch dein Haar
und wenig noch vom Blau
deines Pullovers.
Mehr nicht.
Ein neuer Windstoß
entblößt erneut
deine Wangen,
deine Hände.
Ich starre und
warte.
Irgendwann,
hat der Dünensand
dich
ganz bedeckt.
Ich muss Geduld haben
mit dir.
So hast du gesagt.
Die Stelle, wo du liegst
sieht unberührt und glatt aus.
Morgen vielleicht
wird die Flut
dich schon wieder frei schwemmen.
Aber dann bin ich längst
hinter den Dünen
verschwunden und
auf dem Weg zu mir nach Hause.
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Nicht für mich
25.11.2008 von m.s..
In deinen Armen war genau so viel Platz,
wie ich brauchte, um mich darin wohl zu fühlen.
Deine Hände zogen Feuerlinien über die
Haut meines Unterleibes.
Wenn du sprachst,
war es immer, als wüsstest du schon,
was ich sagen und denken würde.
Wenn du die Kerzen anzündetest,
leuchteten sie nur für mich
das Dunkel deiner Räume aus.
Doch klingelte das Telefon zu oft.
Und du vollzogst vor meinen Ohren
immer wieder
die wunderbare Vermehrung deiner Tugenden.
Und ich ahnte immer mehr,
und wollte es doch nicht wissen,
dass all das ebenso gut für mich war
wie für viele andere.
Und dass in deinen Armen
genau immer der Platz ist,
der gerade gebraucht wird,
und dass deine Hände ihre Feuerlinien
ziehen über viele Frauenleiber.
Vielleicht auch sprichst du immer aus,
was sie so alle denken.
Dein Kerzenvorrat jedenfalls
ist sicher unbegrenzt.
Ahnungslos nahm ich
Platz am gedeckten Tisch.
In einem guten Gasthaus
soll sich jeder zu Hause fühlen.
Aber für mich war nicht gedeckt.
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liebe.de
25.11.2008 von m.s..
Die Ballade von der Internet-Partnersuche
Es war ja nur ein Spiel,
das reizte sehr,
ein Flirt, der wenig kostet und
vielleicht ja doch
am Schluß zum Himmel führt.
Ein wenig war es ernst,
ein wenig witzig,
ein wenig prickelnd und
ein wenig hitzig.
Und immer leicht und schnell
Mit mouse-Klick wieder zu beheben.
Man kokettiert’ mit Worten und Metaphern.
Man schrieb spontan und locker frei,
mal war man lustig und mal war man leise
und manchmal auch betrübt dabei.
Die viel zu spät geskannten Fotos wollten eigentlich
zum Bilde nicht mehr richtig passen,
das man im Auge hatte.
Jedoch rein virtuell
war man schon fast verliebt.
Ganz unverbindlich erst,
hat es auf einmal doch
ganz unversehens
die Schleusen aufgestemmt
zu längst verschlossnen
Träumen und Verließen.
Da ging das Sehen los
und alle Süchte fingen
klingelnd an, sich unverschämt
konkret im Herzen zu ergießen.
Rein virtuell versteht sich.
Und schließlich mailte dann
ein Mann am andern Ende,
der wurde irgendwann
ganz fürchterlich
und wunderbar real.
Er hatte kleine, feuerfeste Hände.
Und heute trägt sie noch sein Mal.
Er hat dies Spiel gespielt wie sie
und virtuell sein Lasso ausgeworfen.
„Herbstliebe“ hieß es.
O, welch zauberhafte Poesie!
Jedoch bei einem Herbst ist es geblieben.
Es war zu weit.
Er war zu fern,
zu totgelebt und abgeliebt.
Nun sitzt sie hier
und schreibt an langen Liebesliedern,
die sie wie Pfeile auf ihn zielt,
und weiß nicht, ob sie traf.
Denn er schweigt lange schon
rein virtuell und überhaupt.
Ein mouse-Klick kann
ihr Herz nicht einfach wieder schließen.
Sie ist verwundet,
ganz real.
Da sind noch viele andre
und sie weiß es wohl,
wenn sie sich gut verkauft
auf diesem Single-Markt,
hat sie noch manche virtuelle Chance.
Ein bisschen Glück, ein kleiner Deal,
vielleicht klappt es das nächste Mal.
Ich scheiße auf das ganze Spiel.
Geschrieben in A. Poesie | Keine Kommentare »
Höre Liebster, hier spricht die Nacht
25.11.2008 von m.s..

Höre Liebster,
hier spricht die Nacht.
Schließe die Augen und hab
keine Angst.
Die Alpträume des Tages
sind fort.
Ich werde dich beschützen,
bis der Morgen graut.
Höre Liebster
Du musst es vergessen.
Die deinen Weg kreuzte
und sich an dir gestoßen hat,
kam aus einer anderen Welt.
Es war nicht die deine.
Sie wird wieder untertauchen
und ihren Fluch von dir nehmen.
Höre Liebster
Es reicht mir,
an deinem Bett zu sitzen
und deinen Schlaf zu bewachen.
Ich werde dich nicht berühren
und keine Träne weinen.
Wenn du aufgewacht sein wirst,
hast du alles vergessen.
Höre Liebster
Ich singe dir ein Lied.
Es ist nur ein kleines bisschen
traurig.
Es handelt von dir und mir
und davon, dass wir uns
nie begegnet sind
im Tageslicht.
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