Das Regenlied

Es ist schon lange hell.
Ich lausche auf das leise Regenlied
Und warte ohne Ungeduld auf deinen Schritt. 

Durch einen Fensterspalt dringt plötzlich
alt vertrauter Spatzenlärm
und überwältigt mich mit einem Dutzend greller Bilder
von andren Regenmorgen
und von anderen, schon durch gelebten Zeiten.

 Ich liege regungslos in meinem Körper.
So lag ich oft. So lag ich gestern noch.
Wie bin ich mir bekannt
und dennoch fremd geworden
in diesen langen Jahren!
Wer immer ich auch bin.

 Es ist schon lange hell.
Ich lausche auf das alte Regenlied.
Und warte ohne Ungeduld auf deinen Schritt.

Wer du auch immer bist:
Ich frage mich, ob wir uns kennen werden.
Hörst du den Regen?
komm!

Am Leuchten deiner Augen hab ich dich erkannt.
Wer ich auch immer bin:
Ich brauche deine Hand auf meiner Stirn,
auf meiner Scham, auf meinem Herzen. 

Komm her zu mir! Ich streiche über weiches Stoppelhaar und
fühle deinen warmen, festen Schwanz so dicht bei mir,
so dicht an meinem Puls das Pochen deiner Brust.
So war es nie.

Auch wenn das Regenlied das gleiche war.

 Ich schließe meine Haut mit deiner Nähe kurz.
Dein Kuss holt mich zurück in dieses Leben.
Wie nach dem Atemstillstand eines Herzens
stürzt lebensrettend die Erinnerung
durch mich hindurch
und stellt die Gegenwart zurück
auf ihre bronzeschweren Füße.

Ich bin nur hier,
nur heute,
nur mit dir.

 Wir lauschen auf das leise Regenlied.
Der Tag ist hell. Der Tag ist hier.
Wer wir auch immer sind.

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