Nun bist du wirklich fort

 

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Die Sonne scheint durch alle meine Räume,
die fortan nur noch mir gehören werden.
Ich habe meine Freiheit und mein neues Leben.
Ob ich auch wirklich meinen Frieden machen kann?

 Das Fernsehn schweigt. Die Bilderflut ist fort.
Die schrillen Töne sind verstummt, verweht.
Die Zimmer sehen nicht mehr wie ein Schlachtfeld aus
und alle Tuben werden wieder zugedreht.

 Ich möchte deine Ärgerspuren löschen
und bringe meine Wohnung gleich in Schuss.
Ich möchte glücklich sein und singen, doch plötzlich
bemerke ich betroffen, dass ich weinen muß. 

Da ist dein Buch, dort find ich eine Socke,
hier liegt ein Zettel, der ist noch von dir.
Du wirst mich morgen doch besuchen kommen?
Komm wenigstens mal nächste Woche her zu mir!

 Ich werde dich vermissen, wie du morgens
dein langes Haar zum Zopf zusammenfasst,
und wie du dann den schweren Rucksack stämmst
und sicher wieder irgendwas vergessen hast.

 Am Fenster werde ich wohl manchmal stehen
und denken, dass dort meine Tochter geht.
Zum Telefon werd‘ ich herüberstarren,
mich immer wieder fragen, wie es um dich steht.

 Dann muss ich durch die stillen Zimmer wandern,
wo alle Stühle noch so steh’n, wie ich es mag,
werd‘ Fotos ansehn, werde an dich denken
und bitter weinen wie an diesem Abschiedstag.

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