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liebe.de
Die Ballade von der Internet-Partnersuche
Es war ja nur ein Spiel,
das reizte sehr,
ein Flirt, der wenig kostet und
vielleicht ja doch
am Schluß zum Himmel führt.
Ein wenig war es ernst,
ein wenig witzig,
ein wenig prickelnd und
ein wenig hitzig.
Und immer leicht und schnell
Mit mouse-Klick wieder zu beheben.
Man kokettiert’ mit Worten und Metaphern.
Man schrieb spontan und locker frei,
mal war man lustig und mal war man leise
und manchmal auch betrübt dabei.
Die viel zu spät geskannten Fotos wollten eigentlich
zum Bilde nicht mehr richtig passen,
das man im Auge hatte.
Jedoch rein virtuell
war man schon fast verliebt.
Ganz unverbindlich erst,
hat es auf einmal doch
ganz unversehens
die Schleusen aufgestemmt
zu längst verschlossnen
Träumen und Verließen.
Da ging das Sehen los
und alle Süchte fingen
klingelnd an, sich unverschämt
konkret im Herzen zu ergießen.
Rein virtuell versteht sich.
Und schließlich mailte dann
ein Mann am andern Ende,
der wurde irgendwann
ganz fürchterlich
und wunderbar real.
Er hatte kleine, feuerfeste Hände.
Und heute trägt sie noch sein Mal.
Er hat dies Spiel gespielt wie sie
und virtuell sein Lasso ausgeworfen.
„Herbstliebe“ hieß es.
O, welch zauberhafte Poesie!
Jedoch bei einem Herbst ist es geblieben.
Es war zu weit.
Er war zu fern,
zu totgelebt und abgeliebt.
Nun sitzt sie hier
und schreibt an langen Liebesliedern,
die sie wie Pfeile auf ihn zielt,
und weiß nicht, ob sie traf.
Denn er schweigt lange schon
rein virtuell und überhaupt.
Ein mouse-Klick kann
ihr Herz nicht einfach wieder schließen.
Sie ist verwundet,
ganz real.
Da sind noch viele andre
und sie weiß es wohl,
wenn sie sich gut verkauft
auf diesem Single-Markt,
hat sie noch manche virtuelle Chance.
Ein bisschen Glück, ein kleiner Deal,
vielleicht klappt es das nächste Mal.
Ich scheiße auf das ganze Spiel.