Herbstgedanken

 

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Ein bisschen Sehnsucht kann nicht schaden,
wenn der Frühling gewiss ist.

Früher liebte ich den Herbst.
Er schien mir wie eine dramatische Posse.
Die Natur kokettiert mit der Dunkelheit
und spielt Sterben,
während hinter ihren geschlossenen Lidern
heimlich schon
hellgrüne Buchenwälder flammen.

Wie ein Kind, das sich schlafend stellt
und im Inneren vor Lachen bersten möchte.

 Heute liebe ich den Herbst,
weil er mein Schattenbild ist,
meine alltägliche Wirklichkeit,
kein Bühnenstück mehr,
vielmehr das, was hinter dem Vorhang passiert,
wenn das Lachen in die Regale gelegt worden ist.

 Ich kann die Müdigkeit der Bäume fühlen,
die ihre Blätter fallen lassen.
Die Farben der Herbstblüten
verblassen wie alte Fotos.
Ich fühle mich ausgelaugt
wie die sommermüden Felder.

 Nein, die Freude auf den Frühling
ist mir nicht verloren gegangen.
Aber er ist
nicht mehr gewiss
und nicht länger
Besitz meines Herzens.

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