Dein Gesicht

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Solange es gedauert hat,

bei jedem neuen Wiedersehen,
am Ostbahnhof,
wenn mein Zug noch da stand,
wenn du ohne ein Lächeln
an mir vorbei gesehen hast,
als wartetest du auf jemand anderen,

und dann an deiner Wohnungstür,
nach Monaten,
als ich dich mitten im Umzug antraf,
wo der Geruch der anderen Frau
noch in den Räumen hing,

und auch in der Wohnküche deiner Schwester
in jener miefigen Kleinstadt
im Nebel

und schließlich neulich erst
in der Sonne an einem hellen Maitag

und die Tage drauf an meinem Krankenlager –

immer wieder,
so lange es also gedauert hat:

Immer habe ich mich erschrocken
vor deinem fremden Gesicht,
vor deinem undurchdringlichen,
deinem verärgerten, enttäuschten Blick.

Sie sieht man keine Frau an,
die man liebt.
Das wusste ich.

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