Abendstille

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Wir fahren in einem Boot in den Abend. Der Himmel ist beflockt
mit Schäfchenwolken. Der Fluss fließt glatt und glänzt.
Du bist bei mir. Du summst ein Lied.
Die Mühen des Tages weichen aus unseren Zügen.
Wir lehnen uns an einander und wissen,
dass nie zuvor wir uns so nah gewesen sind.

Irgendwann, morgen oder in ein paar Tagen
hat unser Boot die Stromschnelle erreicht,
in die wir hinabstürzen werden.
Was sollen wir tun?

 Rücke noch näher. Halte mich fest.
Schau, die Abendsonne, die dein Antlitz beleuchtet,
macht dich jung. Die Bäume und Sträucher am Ufer
sind grün und spiegeln sich flimmernd im Wasser.
Lege deine Hand an mein Gesicht und fühle meine Haut.

Ich bin bei dir. Wir treiben gemeinsam dem Abgrund zu.
Aber bis dahin lächelt die späte Sonne noch eine ganze Weile
und vielleicht auch noch der kühle Mond
über unserem freundlichen Boot,
das unaufhaltsam mit dem Fluss dahin treibt.

 Es war nie anders.

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