Sie befinden sich aktuell in den Texte-Archiv Blog-Archiven für den folgenden Tag 22.11.2008.
- A. Autobiografien (1)
- A. Erzählungen (9)
- A. Fabeln (1)
- A. Kurzgeschichten (20)
- A. Märchen (3)
- A. Poesie (37)
- A. Satiren (1)
- Abschied (4)
- Beziehungskisten (8)
- Frauen (6)
- Frühling (4)
- Gewalt (7)
- Kinder haben (5)
- Liebe (14)
- Natur (6)
- Tod (5)
- Trauer (2)
- Verlust (10)
- 12.2.2010: Die andere Bank am Watt
- 19.1.2010: Das Marienkind -Fortsetzung
- 24.12.2009: Das Marienkind
- 22.12.2009: Die kalten Hände
- 15.12.2009: mein garten im ersten frost
- 25.11.2009: Frühe Winternacht
- 22.7.2009: l'aprèsmidi d'un faun
- 1.7.2009: sommerversprechen
- 27.6.2009: Liebeslied im Juni
- 17.5.2009: Vorfrühling im Moor
Archive für 22.11.2008
gewalt is up de straaten
22.11.2008 von m.s..
Alltag: Gewalt in den Schulen
Von der anderen Seite der Kreuzung her kann jeden Moment ihr Bus auftauchen.
Sie sind ihr sofort aufgefallen. Ein ganzes Stück weiter vorne liefen sie quer über die stark befahrene Straße.
Im Gehen knüpft sie den Mantel zu. Es ist doch kühl geworden heute Nachmittag, kühler als sie gedacht hat. Die blasse Bläue des aufgerissenen Oktoberhimmels, der durch die Doppelglasscheiben des Büros so freundlich aussah, hat sie getäuscht. Im Bus wird es wieder warm sein, warm und eng. Sie hat es eilig, die Haltestelle zu erreichen.
Dennoch sind sie ihr gleich aufgefallen. Und jetzt, auf der anderen Straßenseite, stößt sie fast mit ihnen zusammen. Der Kleinste der Drei rempelt sie an. Er schwankt auf sie zu, stößt sie fast um, ohne, dass sie den Grund für sein Verhalten erkennen kann. Für eine Sekunde, länger, als es nötig wäre, sieht sie in seine Augen, sieht in etwas Dunkles und bleibt daran hängen. Sie sieht ein Gespenst. Jemand stürzt auf sie zu, die geöffneten Arme greifen nach ihr. So sieht kein Mensch entgegenkommende Passanten an. Solchen Blicken begegnet man nur in Albträumen! Trotzdem geht sie einfach weiter. Es ist besser, jetzt weiter zu gehen. Jemand lacht.
Den Rest des Eintrags lesen »
Geschrieben in A. Kurzgeschichten, Gewalt | Keine Kommentare »
Wozu
22.11.2008 von m.s..
Der lange Flur der Kurklinik lag im schwachen Vormittagslicht eines Februartages. Draußen war Schnee gefallen. Jemand hatte eine Vase mit einem winzigen Blumenstrauß auf die nackte Platte des kleinen Tisches gestellt. Bei genauerem Hinsehen entpuppten sich die Blumen als künstlich. Trotzdem was es eine nette Geste. Wenigstens bemühte man sich um ein wenig Freundlichkeit.
Der Tisch gehörte zu einer kleinen Sitzgruppe in einer Nische des Flures. Der alte Herr fragte, ob ich etwas dagegen hätte, wenn er sich zu mir setzen würde. Warum nicht, dachte ich. Ich hatte keine Eile. Hier hatte jeder Zeit.
Er setzte sich ächzend ohne meine Antwort abzuwarten.
Es war ganz still im Flur. Nur ab und zu ging ein Patient im Bademantel mit vorsichtigen Schritten den Flur entlang. Niemand kümmerte sich um uns.
Geschrieben in A. Kurzgeschichten, Tod | Keine Kommentare »
Die Haltestelle
22.11.2008 von m.s..
Kurzgeschichte
Draußen wurde es langsam hell.
Er blickte durch die s Scheibe der Straßenbahn in die endende Nacht. Er kannte die Strecke. Er hatte jetzt Zeit. Bis Berlin Mitte würde es eine ganze Weile dauern.
Peter setzte sich bequemer zurecht und streckte die Beine aus. Er war erschöpft aber zufrieden. Er konnte auch zufrieden sein. Dieses Treffen am Wochenende hatte bei ihm zum ersten Mal das Gefühl entstehen lassen, dass es nun weitergehen könnte. Aufwärts? Nein, vielleicht nicht gerade aufwärts, aber immerhin irgendwohin, in eine neue Zukunft, die ihn fordern und brauchen würde. Zum ersten Mal konnte er sich heute vorstellen, dass das Leben wieder in ruhige und klare Bahnen zurückfließen würde, dass er aufhören könnte, die Luft anzuhalten und sich zu fühlen wie ein Fallschirmspringer, der sich weigert zu springen, weil er dem Fallschirm nicht traut.
Peter schloss die Augen und lauschte auf das ungleichmäßige Rumpeln der Bahn. Ab und zu hielt sie an, aber es stieg niemand ein und niemand aus. Er war ganz alleine mit dem Fahrer.
Dann fuhr die Bahn kreischend um eine enge Kurve. Der Lärm holte ihn ruckartig aus dem Dämmerzustand, in den er wohlig hineingerutscht war. Er riss die Augen auf. Noch brannten überall die Straßenlaternen, aber man konnte die Straßen und Häuser bereits genau erkennen. Die Stadt schlief noch.
Geschrieben in A. Kurzgeschichten, Abschied | Keine Kommentare »
Der Abschied
22.11.2008 von m.s..
Kurzgeschichte
Sie ist froh, dass er wirklich gekommen ist. Jetzt ist sie doch froh darüber.
Zuerst sind ihr die heftigen Auseinandersetzungen eingefallen, die es jahrelang zwischen Heinrich und Wolfgang gegeben hat. Aber das ist nun schon lange her. Sie hat Wolfgang angerufen, als es mit Heinrich anfing, kritisch zu werden. Sie hat ihn zwischen zwei Konferenzen erreicht. Er war auf der Stelle bereit, her zu kommen.
Bestimmt wird Heinrich auch in seinem Zustand noch begreifen, dass sein Sohn da ist. Und er wird sich freuen.
Der Mann ist zögernd in der Tür stehen geblieben. Sie versucht, in seinen Zügen zu lesen. Er steht da und schaut ins Zimmer. Über seine Gestalt fällt ein Streifen Sonnenlicht, das durch die heruntergelassenen Jalousien fällt. Der Mann blinzelt. Die ins Dämmer hinein gestreute Helligkeit in diesem Krankenzimmer scheint ihn zu überraschen. Was hat er erwartet von dem Ort, an dem er seinen sterbenden Vater besucht?
Es gibt keinen Grund, Trübsal zu blasen. Ingrid ist froh, dass der helle Tag bis in dieses Zimmer und bis an sein Bett dringt und ihn vielleicht noch einmal die Wärme der Sonne ahnen lässt. Es war den ganzen Tag düster und unfreundlich draußen. Seit ein paar Stunden aber hat es aufgehört zu regnen und nun steht der Himmel klar und blau über der Stadt. Und über die Krankenzimmerwände laufen nun blendende Sonnenbänder und überschütten die kahlen Flächen und die kühlen Gegenstände dieses dämmrigen Raumes streifenweise mit flirrendem Licht. Heinrich hat seit Tagen die Augen geschlossen.
Geschrieben in A. Kurzgeschichten, Tod, Abschied | Keine Kommentare »
Das Glücksarmband
22.11.2008 von m.s..
Der Nebel hatte sich inzwischen fast vollständig verzogen. Sie waren den Burgberg durch einen lichten, noch ganz kahlen Buchenwald hinaufgefahren. Die Sonne kam gerade vorsichtig heraus und warf schwache Schatten mit weichen Konturen. Plötzlich war vor ihnen die Burg aufgetaucht.
Ausser ihnen stand zu dieser Vormittagsstunde nur noch ein einziges Auto verloren auf dem Parkplatz an der Burg. Sie stellte den Motor aus und während sie den Schlüssel abzog, ging es ihr plötzlich durch den Kopf, wie sehr sie sich in den vergangenen Monaten so einen Tag wie heute herbeigewünscht hatte. Und nun war alles so einfach, so selbstverständlich, so als könne es gar nicht anders sein. Sie waren zusammen und besuchten an diesem Aprilsamstag irgendein Schloss, einfach weil es Freude machte und weil sie gerne zusammen waren.
Geschrieben in A. Kurzgeschichten, Verlust, Liebe | Keine Kommentare »
Das Riesenrad
22.11.2008 von m.s..
Kurzgeschichte
Er solle schon vorausgehen. Sie müsse noch ihren Eyeliner nachziehen, hatte sie gesagt.
Als er die Tür des Hotelzimmers hinter sich schloss, war sie plötzlich alleine. Ihr war, als tauche sie für kurze Zeit aus einer drückenden Wassertiefe auf, um Atem zu holen. Die Heftigkeit des Befreiungsgefühls überraschte sie. Sie stand im Bad, als er hinaus ging. Die Spiegel im schneeweiß gekachelten Raum zeigten ihr ein blasses, fragendes Gesicht, das wohl ihres sein musste. Sie schaltete die Badezimmerlampe aus.
Im Hotelzimmer waren die Betten noch nicht gemacht. Auf dem Nachttisch neben ihrem Kopfende lag der Brief ihrer Tochter, wegen dem sie sich vor dem Einschlafen gestritten hatten: Jetzt fiel es ihr wieder ein. Richtig gestritten hatten sie sich natürlich nicht. Eigentlich hatten sie sich noch nie gestritten. Keiner von ihnen wollte das. Sie hatten beide genug gekämpft in ihrem Leben mit anderen und mit sich selber.
Es war auch gar nichts weiter geschehen. Er hatte sich über ihre Sorgen lustig gemacht. Er fand sie überflüssig. Natürlich waren sie überflüssig, ihre Sorgen. Und dennoch hatten sie diese Sorgen auf einmal überfallen, als sie den Brief las. Und sie hatte ihre Sorgen den ganzen Tag nicht wieder loswerden können.
Geschrieben in A. Kurzgeschichten, Beziehungskisten, Verlust, Liebe | Keine Kommentare »
Der Fremde vom Meer
22.11.2008 von m.s..
Dies war der Morgen, auf den er seit Monaten gewartet hatte. Aber seit das Schiff am Hafen angelegt hatte, war seine unerschütterliche Zuversicht verschwunden. Niels fühlte sich mit einem Mal beklommen, als er aufbrach, um sie zu holen. Und obwohl er jetzt alles genau so machte, wie er es geplant und monatelang, Tag für Tag, Schritt für Schritt durchgegangen war, kam er sich vor wie ein Schauspieler, der in einem lang geprobten Stück auftreten will, das aber im letzten Moment vom Spielplan genommen wurde.
Geschrieben in A. Kurzgeschichten, Trauer, Abschied, Verlust, Liebe | Keine Kommentare »
Zweifel
22.11.2008 von m.s..
„Ich kann nicht“, flüsterte Laureta und schob seine Hand von ihrem Oberschenkel herunter. Sie richtete sich auf und zog ihren Rock über die Knie zurück.
Im Zimmer war es schon dämmrig. Sie hatten den Vorhang noch nicht vorgezogen. Die Straßenbeleuchtung war vor wenigen Minuten angegangen und warf nun einen hellen Fleck auf die Wand hinter dem Sofa.
„Wieso?“, fragte er verständnislos. „Was ist?“
„Komm, versteh das nicht falsch, Jan. Du weißt, dass ich es auch gerne mache und du weißt, dass ich dich liebe.”
Er schwieg.
“Es ist wegen denen da unten. Ich sehe sie sitzen und lauschen, ob mein Bett knarrt.“
Geschrieben in A. Kurzgeschichten, Frauen, Beziehungskisten, Verlust | Keine Kommentare »
Schattenblumen
22.11.2008 von m.s..
Die hat sie ja noch gar nicht ausgesät!’, dachte Horst. Als ob das jetzt noch eine Rolle spielen würde!
„Du, ich habe ein Päckchen Schattenblumen gefunden“, hatte sie ihm noch gestern erzählt. „Das sind lauter Blumen, die auch im Schatten gedeihen, ganz ohne Sonne und die trotzdem wunderschöne Farben entwickeln.“
Der Gartenblumenstrauß
Er hatte abgewunken. Natürlich, ihr Häuschen würde später, wenn es gebaut war, von der Nordseite her zu begehen sein. Da könnten diese Blumen dann entlang des Weges zum Haus stehen. Es würde sicher hübsch aussehen neben dem alten Kirschbaum, den sie hatten retten können, als die Baugrube ausgehoben worden war. Aber vorerst war diese Gegend ihres Grundstücks noch lange nichts als Baustelle. Sie würden das Säen der Schattenblumen auf das nächste Frühjahr verschieben müssen.
Und jetzt, während er ziellos und verzweifelt auf dem Grundstück herumirrte wie ein losgerissener Zweig, jetzt fiel ihm gerade dieses Samentütchen in die Hände. Sie würde die Samen nie mehr aussäen können.
Geschrieben in A. Kurzgeschichten, Tod, Trauer, Verlust, Liebe | Keine Kommentare »
P.S. Und herzliche Grüße an deine Frau
22.11.2008 von m.s..
er Kaffee dampfte schon in den Tassen. Christine hatte noch eben schnell die Post aus dem Hausbriefkasten neben der Tür geholt und im Vorbeigehen mit dem Brieföffner aufgeschlitzt, der auf dem Garderobentischchen bereit lag. Das machte sie immer so. Beide Briefe waren für ihren Mann und sie reichte sie ihm nach einem kurzen Blick auf die Absender. Matthias hatte die weißen Umschläge einfach achtlos neben seine Kaffeetasse gelegt.
Linde Bischof, Stillleben und Frauenkopf
Der eine Brief kam von irgendeiner Kundin. Christine kannte den Namen nicht. Der andere war von ihm.
Geschrieben in A. Kurzgeschichten, Beziehungskisten, Liebe | Keine Kommentare »





